Stillförderung Schweiz

Fachtagung 2019 Zürich

29. August 2019, nachmittags   Anmeldung >>
 
Mikrobiom in Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit

Der Mensch lebt mit einer grossen Anzahl Bakterien zusammen, die sein Mikrobiom bilden. Die Vielfältigkeit des Mikrobioms ist eng verknüpft mit dem körpereigenen Immunsystem, Immunfunktionen entwickeln sich im Wesentlichen erst unter dem Einfluss der Mikrobiota. Drei Vorträge an der Fachtagung von Stillförderung Schweiz beleuchten die Erkenntnisse über das Mikrobiom in Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit.






 

Wir danken Gesundheitsförderung Schweiz, Medela AG und EFFIK für die Unterstützung.

Das Mikrobiom peripartal – Was wissen wir darüber?
Dr. med. Natalia Conde, Fachärztin Gynäkologie und Geburtshilfe FMH

Über ein Jahrhundert galt das Paradigma, dass der Fet in einer sterilen Umgebung heranwächst und erst durch die Geburt sein Mikrobiom erhält und bildet. Neue Forschungen stellen diese Hypothese in Frage und postulieren eine „in utero-Kolonisation“. Sollten diese Erkenntnisse zutreffen, hätte dies einen grossen Einfluss auf das Verständnis der fetomaternalen Einheit.
Sterile womb oder in utero-Kolonisation? Die Frage ist nach wie vor nicht vollends beantwortet. Die Studien und Tierexperimente zeigen zwar mögliche Wege und bieten Erklärungen für eine präpartale Kolonisation. Aber auch die Kritikpunkte gilt es zu beachten, auch sie scheinen plausibel. Das Thema bleibt spannend und es sind sicher noch weitere Untersuchungen notwendig, damit wir definitiv wissen, ob wir in utero „Sooners“ bewirten oder nicht.

Die mütterliche Darmflora als Booster des neugeborenen Immunsystems
Dr. Stephanie Ganal-Vonarburg
Universitätsklinik für Viszerale Chirurgie und Medizin, Inselspital, Department for BioMedical Research (DBMR), Universität Bern, Murtenstrasse 35, 3008 Bern, Switzerland

Bei der Geburt wechselt das Baby von der sterilen, geschützten Umgebung der Gebärmutter in eine Welt, in der es von Bakterien nur so wimmelt. Rasch nach der Geburt besiedeln Mikroorganismen - die sogenannte kommensale Mikrobiota - alle Körperoberflächen. Schon nach wenigen Tagen befinden sich im Darm doppelt so viele Bakterien wie Zellen im ganzen Körper.
Neugeborene Babys überleben diese plötzliche Welle von eindringenden Bakterien im Normalfall ohne Probleme. Noch immer sterben aber weltweit jährlich über 6 Millionen Kinder unter 5 Jahren, die meisten von ihnen in Folge von Darminfektionen und Mangelernährung. Das grösste Problem nach der Geburt: Der Darm muss mit Mikroben besiedelt werden, ohne das Neugeborene zu infizieren und ohne die Darmkapazität zur Aufnahme von Nährstoffen einzuschränken.
Wir konnten zeigen, dass bakterielle Metaboliten, die der mütterlichen Darmflora entstammen, bereits während der Schwangerschaft über die Plazenta und nach der Geburt über die Muttermilch auf die Nachkommen übertragen werden. Diese bakteriellen Bestandteile tragen wesentlich zur Reifung des Neugeborenen-Immunsystems bei und schützen die Nachkommen während des Vorgangs der Besiedlung mit Mikrobiota, welcher unmittelbar nach der Geburt stattfindet.

Schwerpunkte des Vortrags werden sein:
  • Einblick in die Grundlagenforschung auf dem Gebiet „Mikrobiota und Wirt“
  • Hygienehypothese
  • Begriffserklärung „Neonatal Window of Opportunity“
  • Darstellung von Originaldaten, die den Einfluss der mütterlichen Darmflora auf die Reifung des Neugeborenen-Immunsystems zeigen

Muttermilch – ein Eubiotikum?
Dr. med. Christian Kahlert, Leitender Arzt Infektiologie und Spitalhygiene, Ostschweizer Kinderspital, St. Gallen

Es gibt kaum Kontraindikationen für Muttermilch. Selbst bei HIV-Infektion wird das Stillen in der Schweiz inzwischen unter bestimmten Voraussetzungen unterstützt, wenn die Mutter den starken Wunsch dazu hat. In den letzten Jahren mehren sich wissenschaftliche Erkenntnisse, dass Muttermilch nicht nur Nahrung für das Kind ist, sondern auch die Zusammensetzung der Bakterienwelt im Darm (Darmmikrobiom) wesentlich beeinflusst und damit zentral die Entwicklung des Immunsystems prägt. In dem Referat werden die Grundlagen für diese neuen Erkenntnisse illustriert und aufgezeigt, welche Bedeutung damit das Stillen für die Prävention von Zivilisationskrankheiten erhält. Das Ziel ist ein generelles Verständnis für diesen Zusammenhang, welcher schon heute in der Stillberatung berücksichtigt werden sollte.

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